reformiert.lokal 02.02 - Das Wort als Lebensmittel

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Leitartikel - Das Wort als Lebensmittel

Wir nähern uns der Passionszeit, die wieder viele Menschen als eine Zeit des Fastens und des Verzichtes gestalten. Auch unter Reformierten kommt das wieder öfters vor. Das war nicht immer so: 1522 wurde in Zürich am ersten Sonntag der Passionszeit bewusst gegen die strengen Regeln der Kirche verstossen. Mehr oder weniger öffentlich wurde am ersten sogenannten Fastensonntag eine Wurst verspeist. Huldrich Zwingli war bei diesem Wurstessen mit von der Partie. Obwohl er selbst nicht von der Wurst gegessen habe, duldete er doch den Bruch mit der Fastentradition, denn im Mittelalter wurden viele kirchliche Handlungen derart materialisiert, dass darin kein geistlicher Gehalt mehr zu erkennen war. Gegen diese Instrumentalisierung wehrte sich Zwingli. Leider erstarrte die Ablehnung des Fastens zum konfessionellen Identitätsmarker. Es ist aber längst überfällig, dass evangelische Christ*innen die Fastenpraxis nicht mehr in Bausch und Bogen verwerfen und als Quelle von Missbräuchen und Fehldeutungen ablehnen.

Denn es hat durchaus sein Gutes, seine eigenen Gewohnheiten von Zeit zu Zeit zu hinterfragen und vorübergehend bewusst auf Überflüssiges zu verzichten und zu versuchen, sich auf das Wesentliche zu besinnen. Vielleicht wird in dieser Zeit kein Alkohol getrunken, das Rauchen reduziert, der Internetkonsum dosiert oder der Smartphone-Gebrauch reguliert. Egal in welcher Form: Die Idee ist, dass man eine Zeitlang ein klein wenig Verzicht leistet. Das Wort «leisten» zeigt aber das Problem schon an, das wir Reformierten mit dem Fasten haben könnten: Der Sinn dieser Bemühungen kann nicht sein, sich selber dadurch ein bisschen besser oder toller, leistungsfähiger oder attraktiver zu machen. Fasten ist kein Selbstoptimierungstrip. Eine bewusste Abstinenz hat nur dann einen christlichen Wert, wenn sie uns auf die Spuren dessen führt, der von sich sagt: «Ich bin das Brot des Lebens. Wer zu mir kommt, wird nicht mehr Hunger haben, und wer an mich glaubt, wird nie mehr Durst haben.» (Johannes 4,14)

Die Passionszeit kann eine Zeit der Besinnung und der Rückkehr zu sich selbst und zu Gott werden. Wo uns das gelingt, da ist all das, woran sich Menschen messen und wodurch sie sich zu finden meinen, all das, was Menschen zwingt, im Wettbewerb gegeneinander zu stehen, nicht mehr entscheidend. Denn für diejenigen, die sich auf die Spuren jenes Mannes aus Nazareth machen, bleibt all dies rein äusserlich. Denn sie haben in ihm ihr Lebensbrot gefunden. Und das sättigt, wie kein anderes! Denn durch Jesus, das heisst, im Hören und Lesen all jener Geschichten, die sich um seine Person gebildet haben, erschliesst sich uns das Leben als etwas wahrhaft Grosses – das seine unvergleichliche Grösse aber nur dann ausschöpft, wenn es sich verschenkt und anderen Menschen zum Lebensbrot wird.

David Jäger, Pfarrer Hombrechtikon

J&auml;ger, David
David Jäger
Oetwilerstrasse 35
8634 Hombrechtikon



Frühere Ausgaben:
Ab Februar 2020 wurde der Name der Gemeindeseiten von reformiert.stäfa auf reformiert.lokal geändert.


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