Beitrag Fusions-Skeptiker - HoSt22 gibt uns zu denken

Kirche-Parkplatz (Foto: Heinz Wilhelm)
Hinweis: Der nachfolgendeText wiederspiegelt die Meinung der Fusions-Skeptiker. Informationen der Kirchgemeinde zum Zusammenschlussprojekt finden Sie auf » www.ref-host.ch
Host22-nein ist eine Gegen-Initiative von engagierten und begeisterten reformierten Kirchenmitgliedern aus Stäfa und Ürikon, die sich mit ihrer Kirche identifizieren und sich dort engagieren.
Weitere Informationen finden Sie auf
» www.host22-nein.ch


Die Kirchgemeinde-Mitglieder von Hombrechtikon und Stäfa werden seit rund 1½ Jahren zu einer Fusion der beiden Kirchgemeinden ermutigt. Nun müssen dringend auch kritische Fragen und Bedenken zur Sprache kommen.

Gemeindebau | Von der Kantonalkirche wird vorgegeben, dass eine Kirchgemeinde mindestens 5000 Mitglieder haben muss, damit sie überleben kann. Aber: Eine lebendige Kirchgemeinde lässt sich nicht mit Zahlen und Strukturen bauen. Nicht die Anzahl Mitglieder, vielmehr deren Engagement, Glaube und authentisches Leben machen eine Kirchgemeinde lebendig. Jede christliche Gemeinschaft lebt von guten Beziehungen – sie sind das «pièce de résistance» des christlichen Glaubens. Die gute Lehre ist wichtig, sie wird jedoch zur Leere ohne gute Beziehungen. Der Mangel an Verbindlichkeit wird verstärkt durch eine noch grössere Anzahl von Mitgliedern.

Solidarität und Nächstenliebe | Kulturell und geographisch sind unsere beiden Gemeinden verschieden orientiert. Eine Zusammenarbeit würde herausfordernd. Bei der Mandatserteilung in Hombrechtikon im September 2019 gab es eine Stimme, die dem Sinn nach sagte: «Lieber arme Hombrechtiker*in bleiben, als von der Gunst der Stäfner abhängig zu sein». Wenn Hombrechtikon Hilfe benötigt, dann gibt es andere Möglichkeiten, diese zu gewähren. Die Kirche Hombrechtikon soll autonom bleiben, so wie wir das auch wünschen. Eine Kirche, ein Dorf !

Synergien und Ressourcen | Bis jetzt ist viel Aufwand in Projektgespräche investiert worden. Was ist der Output davon? Was denken die betroffenen Pfarrpersonen und Mitarbeiter*innen dazu? Werden wir davon hören in den Veranstaltungen im November? Im Bereich kirchliche Mitarbeit können nur Einsparungen erreicht werden, wenn das Angebot reduziert wird. Die Ausweitung auf ein grösseres Gemeindegebiet hätte Mehraufwand für die Pfarrpersonen zur Folge (Sitzungen, Absprachen u.a.m.). Doppeleinsätze der Pfarrer*innen und Kanzeltausch könnten zwar Ressourcen einsparen. Aber braucht es dazu eine Fusion? Wenn gespart werden soll, wird diese Fusion früher oder später auf eine Reduktion des Personals hinauslaufen. Deshalb erwarten wir eine klare Darstellung der Ziele: – Welche Stellen gibt es weiterhin? – Welche sollen mittelfristig wegfallen? – Welche Angebote sollen gestrichen werden?

Finanzielle Konsequenzen | Die Kirchgemeinde Stäfa ist finanziell gut aufgestellt und weist jeweils ein solides operatives Ergebnis aus. Die Kirchgemeinde Hombrechtikon ist unter den aktuellen Gegebenheiten nicht in der Lage, einen ausgeglichenen Haushalt zu erarbeiten. Bei einer Fusion würde der Steuersatz von heute 14% auf den gleichen Steuersatz wie in Stäfa, nämlich auf 11%, gesenkt, was das Finanzloch jährlich um weitere 250'000 Franken vergrössert. Eine Steuererhöhung für die fusionierte Gemeinde müsste dann wieder geprüft werden. Aus finanzieller Sicht sind durch eine Fusion wenige Synergien ersichtlich. Aktuell ergibt es eine nicht signifikante finanzielle Einsparung durch die Reduktion einer administrativen Stelle und die Zusammenlegung der Kirchenpflegen. Weitere Einsparungen im Personalbereich sind bis jetzt nicht geplant.

Blick über den Gartenzaun | Bislang fehlen überzeugende Beispiele von Kirchenfusionen. – In Winterthur haben die Reformierten am 27. September eine Fusion abgelehnt. – Die Kooperation KG5+ am unteren rechten Zürichsee hat nach 6 Jahren Annäherung und Zusammenarbeiten das Projekt Fusion im Februar 2019 «beerdigt». – Bei den übrigen Seegemeinden tut sich im Moment nichts. Das stimmt nachdenklich.

Meinungsbildung / Informationen | An den Informationsveranstaltungen im November werden wir hören, was die Projektgruppen erarbeitet haben. Bis jetzt wissen wir erst, dass im März 2021 an der Urne über einen strukturellen Fusions-Vertrag abgestimmt wird. Eine neue Kirchgemeindeordnung soll im April an den Kirchgemeindeversammlungen verabschiedet werden. Wir vermissen das Leitbild für eine fusionierte Kirchgemeinde. Gott gebe uns – die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die wir nicht ändern können, – den Mut, Dinge zu ändern, die wir ändern können, – und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.

Für die Fusions-Skeptiker: Ursula Brunner, Vreni Grau, Stephan Hinderling, Brigitta Meier, Hanni Noll


Hinweis: Der obenstehende Text wiederspiegelt die Meinung der Fusions-Skeptiker. Informationen der Kirchgemeinde zum Zusammenschlussprojekt finden Sie auf » www.ref-host.ch